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Interview. conSALT-Geschäftsführer Mario Angerer und Armin Schwarz erzählen von den Erwartungen junger Menschen an Arbeitgeber und den Voraussetzungen für Unternehmen, kompetente Mitarbeiter zu finden.

Was versteht man unter modernem Recruiting?

Armin Schwarz: Die größte Veränderung hat die Digitalisierung gebracht, die das Recruiting auf verschiedenen Kanälen möglich macht. Das ist aufgrund der Situation am Arbeitsmarkt notwendig geworden. Noch vor ein paar Jahren konnten Personalverantwortliche aus dem Vollen schöpfen und stapelweise Bewerbungen sichten. Da hat sich die Situation mittlerweile grundlegend verändert, heute „bewerben“ sich Unternehmen oder Recruiter beim Bewerber und nicht umgekehrt. Das bedeutet natürlich auch völlig andere Personalbeschaffungsstrategien.

Wie sehen solche Strategien aus?

Mario Angerer: Ein erfolgreiches Recruiting muss frühzeitig geplant werden. Viele Unternehmen glauben immer noch, Personalgewinnung läuft so nebenbei, und wundern sich dann, wenn sie ihre Stellen nicht besetzen können. Das ist insofern verwunderlich, da über 60 Prozent der Unternehmen eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung darin sehen, die offenen Stellen nicht mehr schnell genug oder überhaupt nicht besetzen zu können, und diese Situation als Geschäftsrisiko einstufen. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass das Recruiting mindestens so wichtig ist wie der Vertrieb.

Widmen wir uns den Bewerbern. Viele Personalverantwortliche sprechen von neuen Generationen, die sich das Arbeitsleben anders vorstellen. Wer sind denn diese jungen Leute?

Mario Angerer: Generation Y, Millennials oder Digital Natives werden jene sehr kreativ genannt, welche um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten. Wie auch immer man sie nennen mag, sie sind auf jeden Fall die Dienstnehmer der Zukunft und die High Potentials unter ihnen sind die Führungskräfte von morgen. Eines ist sicher, diese Generation wird die Arbeitswelt sukzessive umgestalten, und diese Generation wird sehr bald die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung weltweit ausmachen. Viele Unternehmen fürchten einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wegen des Ausscheidens der Babyboomer Generation aus dem Berufsleben. Entsprechend hart wird um guten Nachwuchs gekämpft. Somit ist es umso wichtiger zu verstehen, wie die jungen Leute heute denken, was sie sich wünschen oder, anders gesagt, was sie an- und was sie vertreibt.

Was erwarten denn diese junge Menschen von ihren Arbeitgebern?

Armin Schwarz: So abgedroschen das auch klingen mag, aber die Teenager der Nullerjahre sind die Führungskräfte von morgen. Diese Generation stellt gewisse Werte ihrer Vorgänger in Frage und setzt dafür neue Prioritäten, die verstanden werden müssen. Ich finde etwa das Konzept Work-Life-Balance als typischen Wert dieser Generation etwas irreführend, weil dadurch der Eindruck entsteht, dass wir es mit jungen, unmotivierten Leuten zu tun haben, die keine Lust aufs Arbeiten haben. Dem ist aber nicht so. Diese Generation hat oft unter sehr karriereorientierten Eltern gelitten und einfach aus Fehlern der Älteren gelernt. Sie ist gern bereit zu arbeiten, aber nicht bis zum Burnout. Darum verlangen sie etwa flexible Arbeitszeiten, auch von daheim aus. Und auch die Dienstgeber kommen diesen Wünschen nach, organisieren firmeninterne Kinderbetreuung, um Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Es entsteht gerade eine nachhaltige, auch gleichberechtigte Personalkultur. Arbeitnehmer sind glücklicher, wenn sie genug Zeit für Erholung haben, und Arbeitsgeber profitieren von ausgeglichenen Arbeitskräften.

Worauf legen die jungen Arbeitnehmer noch Wert?

Mario Angerer: Ein gutes Arbeitsklima und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind die wichtigsten Kriterien bei der Arbeitsplatzsuche. Danach kommen Punkte wie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch Punkte wie betriebliche Kinderbetreuung und Altersvorsorge. Das Thema Cash kommt erst danach, entscheidet bei der Arbeitsplatzsuche aber immer noch mit.

Sie haben zuerst von den Digital Natives gesprochen. Was bedeutet das konkret für die Arbeitswelt?

Mario Angerer: Die junge Generation ist mit Internet, Smartphones und Social Media aufgewachsen und nützt diese Kommunikationsmittel in allen Lebensbereichen. Dadurch unterscheidet sie sich klar von älteren Generationen. Sie ist auch der Ansicht, diese Art von Technologien ermöglicht es ihr, effizienter zu arbeiten. Das löst mitunter Generationskonflikte am Arbeitsplatz aus. Diese Herausforderung gilt es als Arbeitgeber zu lösen. Die Nachwuchsführungskräfte sind selbstbewusst, sie haben klare Vorstellungen und sie wollen Beruf, Familie und Karriere verbinden. Ob es einem gefällt oder nicht, Firmen, die diesen Wertewandel erkennen, sind eindeutig im Vorteil.

Was ist bei der Jobsuche im Social-Media-Bereich zu beachten?

Armin Schwarz: Dazu ist zu sagen, dass der Umgang mit den sozialen Medien unter den Jugendlichen schon einmal verantwortungsloser war. Da ist mittlerweile genügend Vernunft und Skepsis eingekehrt, dass man nicht mehr unter seinem Klarnamen Partyfotos auf Facebook und Ähnlichem einstellt und unseriöse Kommentare abgibt. Viele Jugendliche agieren in den sozialen Netzwerken mit Pseudonymen und sind so für die Personalverantwortlichen auch nicht auffindbar. Neben Facebook spielen aber auch Recruiting- Plattformen wie Xing oder LinkedIn eine zunehmend größere Rolle. Generell gilt, dass die Angaben, die man im Internet in berufsrelevanten Kontexten macht, wahr und überprüfbar sein müssen. Denn die Wahrheit kommt immer ans Tageslicht, spätestens beim Bewerbungsgespräch.

Sie suchen mittlerweile seit vielen Jahren gute Mitarbeiter für renommierte Unternehmen. Wie hat sich das Recruiting im Laufe der Zeit verändert?

Mario Angerer: Das Recruiting verändert sich laufend, da es abhängig von vielen Faktoren ist. Einer der Hauptfaktoren ist der Arbeitsmarkt. Dieser hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Wir haben derzeit eine wesentlich geringere Arbeitslosenquote, was für das Recruiting bedeutet, dass sich auch das Verhalten der Kandidaten verändert. Vor wenigen Jahren war der Kandidat noch ein aktiv Suchender, der den gesamten Bewerbungsprozess auf sich genommen hat, um einen Job zu finden. Heute hat sich das Verhalten der Kandidaten insofern geändert, als dass viele der Kandidaten nicht aktiv suchen, sondern sich in einer festen Anstellung befinden. Das bedeutet, die Kandidaten sind selektiver und anspruchsvoller geworden. Diese passiven Kandidaten lassen sich nur durch einen höheren Mehrwert überzeugen, das Unternehmen zu wechseln. Der Aufwand im Recruiting wurde generell größer und nimmt mehr Zeit in Anspruch. Daher ist, wie schon erwähnt, eine frühzeitige professionelle Personalplanung sehr wichtig.

Worauf legen Unternehmen neben der fachlichen Qualifikation am meisten wert?

Armin Schwarz: Die Unternehmen schätzen Flexibilität und die Bereitschaft zu lernen. Aber auch Werte wie Loyalität stehen wieder hoch im Kurs.

Und worauf sollten junge Menschen zu Beginn ihrer Karriere achten?

Mario Angerer: Am wichtigsten ist, dass man klare Vorstellungen und Ziele hat. Das ist bereits eine Voraussetzung für die Jobsuche, weil man ansonsten ja gar nicht weiß, welche Unternehmen zu einem passt und wo man überhaupt arbeiten will. Wer kein Ziel hat, wird auch nicht herausfinden, ob das Ziel das richtige ist.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.

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