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© denisismagilov – Fotolia.com

Dass Mitarbeiterbefragung nicht eine lästige, nervtötende Alibihandlung sein muss, sondern eine wertvolle Methode zur partizipativen Einbindung, beweisen Andreas Hermann und Tobias Bayer mit ihrem Innsbrucker Start-up Business Beat.

An österreichischen Universitäten will man seit den 2000er Jahren wissen, was Studierende von den angebotenen Lehrveranstaltungen und Lehrenden halten: Lehrveranstaltungsevaluation nennt man das. Zumeist eine lästige Pflichtübung, mit der man gegen Ende des Semesters gehäuft belästigt wurde. In der Wirtschaft ist es dagegen zweifellos wichtig für den Unternehmenserfolg, die Stimmungslage der Mitarbeiter zu kennen. Und das am besten so aktuell wie möglich, damit sich Stimmungstiefs und -hochs rasch erkennen lassen und man gezielt gegensteuern kann. Das kann man entweder über langatmige Formulare machen, deren Ausfüllen so viel Spaß macht wie ein Zahnarztbesuch, oder aber so, wie es ein Innsbrucker Start-up namens Business Beat vormacht: Kurz und schmerzlos, und dennoch um einiges erkenntnisreicher als die herkömmliche Mitarbeiterbefragung. Gegründet wurde Business Beat von dem Arbeitspsychologen Andreas Hermann und Informatiker Tobias Bayer. Der gebürtige Augsburger Hermann hat nach seinem Studium in Innsbruck bei einem großen Marktforschungsinstitut in München Berufserfahrung gemacht. „Da wurden ganz viele Zahlen produziert, die man an die Kunden weitergereicht hat. Das hat ganz und gar nicht meinen Vorstellungen entsprochen, wie Marktforschung und Befragungen aussehen sollten.“ Begonnen haben die Jungunternehmer vor vier Jahren, allerdings noch unter dem Firmennamen trigger research. Während für Kundenbefragungen der klassische Fragebogen – ob nun digital oder analog – weiterhin geeignet schien, sah das bei der Mitarbeiterbefragung schon ganz anders aus.

Einmal jährlich den Mitarbeitern einen elendslangen, uninspirierten Fragebogen zum pflichtschuldigen Durchklicken vorzusetzen, schien Andreas Hermann unzeitgemäß und auch nicht mit einem besonderen Erkenntnisgewinn verbunden. „Das, was man früher auf Papier gemacht hat, haben wir später einfach online gemacht“, umreißt Hermann das Grundproblem, dass aus einem langweiligen, monotonen analogen Vorgang kein spannender digitaler Vorgang wird, bloß weil man ihn vom analogen ins digitale Medium überführt. In der Folge ging es Andreas Hermann und Tobias Bayer vor allem darum, der Marktforschung das Nervtötende abzugewöhnen und den Erkenntnisgewinn zu steigern: „Mit Business Beat sind wir vom Zahlenfriedhof weg und hin zu ganz konkreten Maßnahmen gegangen. Vom Monolog zum Dialog, zur partizipativen Einbindung der Mitarbeiter“, sagt Hermann. Konzipiert ist Business Beat als „software as a service“. Das heißt, es setzt nur einen Internetzugang voraus und läuft vom Browser aus, ganz gleich, ob von einem stationären oder mobilen Endgerät. Dadurch, dass die Mitarbeiterbefragung möglichst kurz und prägnant aufgesetzt ist, lässt sie sich in viel kürzeren Intervallen durchführen als herkömmliche Befragungen. So kann man zwischen einmal pro Woche bis zu einmal pro Monat die Stimmung der Mitarbeiter ausloten, ohne zu nerven. In kritischen Phasen organisatorischer Umbrüche in einem Unternehmen kann man bei Bedarf auch öfter befragen. Die kontinuierliche Befragung in kurzen Intervallen hat einen ganz wesentlichen Vorteil, wie Hermann ausführt: „Es wird sofort – quasi in Echtzeit – sichtbar, wie sich die Situation der Mitarbeiter und die Stimmung verändert.“

 

„Mit Business Beat sind wir vom Zahlenfriedhof weg und hin zu ganz konkreten Maßnahmen gegangen. Vom Monolog zum Dialog, zur partizipativen Einbindung der Mitarbeiter.“

Andreas Hermann,
Business Beat

 

Stimmungsbilder und konkrete Vorschläge

Unternehmen, denen es mit der Mitarbeiterbefragung wirklich ernst ist, werden dafür auch mit einem hohen Rücklauf der anonymisierten Antworten ihrer Mitarbeiter belohnt. „Der Rücklauf liegt in diesen Fällen konstant bei 80 Prozent oder mehr. Ein vergleichsweise fantastischer Wert“, so der Arbeitspsychologe. „Wenn sich ein Unternehmen entscheidet zu fragen, dann muss es auch handeln.“ Das Tool, welches Business Beat entwickelt hat, wächst dynamisch und will nicht nur wissen, wo die Mitarbeiter Schwächen in den Unternehmensabläufen sehen, sondern auch, wie diese verbessert werden können. Gibt der Mitarbeiter ein positives Feedback, will man es trotzdem genauer wissen und fragt nach, was besonders gut gefällt und entsprechend ausgebaut werden könnte. Dadurch lässt sich nicht nur ein Stimmungsbild zeichnen, sondern konkrete Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter – zweifellos Experten in eigener Sache – generieren.

 

„Wenn ein Unternehmen entscheidet zu fragen, dann muss es auch handeln.“

 

Interessant ist das Mitarbeitertool prinzipiell und klarerweise abgesehen von EPUs für Unternehmen jeglicher Größe, folglich kommen auch KMUs auf ihre Kosten. Wobei man die Software unbeschränkt kostenlos nutzen kann, wenn auch mit eingeschränktem Funktionsumfang. Dieses Modell ist gewissermaßen die „Einstiegsdroge“ in die Zukunft der Mitarbeiterbefragung. Speziell Branchen, in denen es hohe Fluktuation gibt und Mitarbeiterzufriedenheit von elementarer Bedeutung ist, wie etwa der Tourismus, können einen Mehrwehrt generieren, wenn sie stets wissen, wo den Mitarbeitern der Schuh drückt. Unternehmen, deren Arbeitgebermarke auf einschlägigen Internet- Bewertungsportalen gelitten hat, können mittels regelmäßiger Befragungsaktivitäten gegensteuern. Insofern zahlt eine Investition in Mitarbeiterbefragungen auch auf das Employer Branding ein. Das erfordert jedoch eine gewisse Kultur im Umgang mit konstruktiver Kritik, eine Fehlerkultur. „Ich kenne dadurch die Sorgen meiner Mitarbeiter, bevor sie gekündigt haben und im Internet eine schlechte Bewertung abgeben“, sagt Andreas Hermann. Salopper Nachsatz: „Ein Unternehmen kann seine Mitarbeiter abholen, bevor die Kacke am Dampfen ist.“ Effizientere Prävention statt teurem Employer Branding, auf das natürlich heutzutage nicht gänzlich verzichtet werden kann. Allerdings können Unternehmen dadurch verstärkt die positiven Seiten ihrer Arbeitgebermarke pflegen und verschwenden keine knappen Ressourcen damit, selbstverursachte Flurschäden zu bereinigen.

Bayer und Hermann wollen ihre Software und ihr Konzept zukünftig auch auf Englisch ausrollen und sich ein Stück des globalen Kuchens sichern. Das Potenzial dafür scheint da zu sein.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.