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„Mitarbeiter wissen, dass da oben einer von ihnen sitzt“

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„Mitarbeiter wissen, dass da oben einer von ihnen sitzt“

Mitarbeiter wissen, dass da oben einer von ihnen sitzt

© Sergey Nivens – Fotolia.com

Der neue Pappas-Geschäftsführer Peter Hesina kennt die Automobilbranche in all ihren Facetten. Der Diesel verkauft sich nach wie vor, das Informationsbedürfnis sei aber gestiegen. Hesina wagt auch einen Blick in die Zukunft des Individualverkehrs.

Sie haben als Lehrling im Unternehmen angefangen, dessen Geschäftsführer Sie heute sind. Man kann also durchaus von einem Fall von „Karriere mit Lehre“ sprechen.

Ich habe 1981 im Unternehmen mit der Lehre zum Kfz-Mechaniker begonnen. Anschließend war ich bis 1989 im Kundendienst tätig, danach kurz im Gebrauchtwagenverkauf. Später habe ich Neuwagen verkauft in allen Ausprägungen, die es im Vertrieb gibt. In meinen letzten Jahren als Verkäufer habe ich mich auf die Flotte spezialisiert und damals die größte PKW-Flotte in der Geschichte von Mercedes-Benz Österreichverkauft. Danach war ich als Vertriebsleiter PKW gesamt für Tirol verantwortlich. Mit dem damaligen Geschäftsführer, der nach wie vor im Konzern tätig ist, habe ich sehr gut und eng zusammengearbeitet. Mit 1. Mai 2017 habe ich dann die Geschäftsführung hier in Hall übernommen. Es war jedenfalls schon nach der Lehre mein Ziel, in den Verkauf zu gehen.

 

„ Die Mitarbeiter wissen, dass einer von ihnen da oben sitzt. Das ist ein Signal an die Jugend, dass sich Fleiß, Einsatz und Loyalität auch bezahlt machen.“

Peter Hesina,
Geschäftsführer Pappas Tirol GmbH

 

War das damals für Mechaniker ungewöhnlich?

Nicht unbedingt. Nur war ich damals mit 19 Jahren noch zu jung. Die Kundenschicht war früher deutlich älter, da hatte man als Jungspund keine Akzeptanz. Deshalb bin ich zuerst in den Kundendienst gegangen. Das hat mir im Nachhinein sehr viel gebracht, weil ich damals den Umgang mit Kunden gelernt habe.

Was bringt ein Werdegang wie Ihrer in einer Geschäftsführerposition?

Ich habe den Vorteil, dass ich das Geschäft von der Pike auf kenne. Die Mitarbeiter wissen, dass einer von ihnen da oben sitzt. Das ist ein Signal an die Jugend, dass sich Fleiß, Einsatz und Loyalität auch bezahlt machen. Ich weiß in allen Bereichen, mit welchen Sorgen, Herausforderungen, aber auch Freuden die Mitarbeiter im täglichen Geschäft konfrontiert sind.

Inwiefern hat sich der Automobilmarkt verändert, seit Sie in der Branche sind?

Damals war es noch ein klassisches Autoverkaufen. Wir haben als Verkäufer den Kunden informiert und verhandelt und uns auf einen Preis geeinigt. Heute kommt ein topinformierter Kunde zu uns, auf den man sich – vor allem, wenn es um seltener verkaufte Modelle geht – vorbereiten muss. Außerdem muss man mit den diversen Vertriebsprogrammen sehr versiert sein, um aus dem, was der Hersteller anbietet, das Ideale für den Kunden herausholen zu können. Man muss richtig fit sein, um auf diesem Klavier perfekt spielen zu können.

 

„Wir verkaufen den Diesel nach wie vor sehr gut. Es gibt aber mehr Erklärungsbedarf, weil die Kunden verunsichert sind.“

 

Ist es schwieriger geworden, Verkäufer zu finden, die diese Anforderungen erfüllen?

Es ist tatsächlich schwierig geworden, Mitarbeiter zu finden, die diese Einsatzbereitschaft haben. Der Zeitaufwand für den Verkäufer ist deutlich gestiegen, einerseits durch erhöhte Ziele und andererseits durch das breitere Angebot an Dienstleistungen, die mitverkauft werden, wie etwa Leasing oder Versicherung.

Wenden wir uns den aktuellen automobilen Themen zu. Hat die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen durch den Dieselskandal merklich gelitt en?

Nein, wir verkaufen den Diesel nach wie vor sehr gut. Es gibt aber mehr Erklärungsbedarf, weil die Kunden verunsichert sind. Deshalb muss man den Kunden darüber aufk lären, was zukünftig auf die Automobilindustrie zukommt und in den nächsten Jahren an Modellen und alternativen Antrieben zu erwarten ist. Der Kunde braucht mehr Informationen, als er aus der Presse entnehmen kann. Dort wird das Th ema oft recht einseitig dargestellt.

Was kommt in den nächsten Jahren auf die Branche zu?

Im Moment verkaufen wir den Diesel wie gesagt noch sehr gut. Mit den Euro-6-Fahrzeugen sind wir bezüglich Abgase schon sehr gut unterwegs. Die Elektrifi zierung ist ja in aller Munde. Ich persönlich glaube, dass Plug-In-Hybride eine gute Wahl sind. Diese erreichen ab 2019 schon elektrische Reichweiten von 100 Kilometer, was für viele tägliche Distanzen ausreicht. Für längere Fahrten bietet der Verbrennungsmotor die nötige Flexibilität. Beim reinen Elektrofahrzeug wird es noch dauern, bis die Ladezeiten und -infrastrukturen konkurrenzfähig sind. Das Elektroauto löst aber auch nicht alle Probleme. Man muss sich die gesamte Energiebilanz ansehen. Bei der Produktion benötigt ein Elektroauto noch doppelt soviel Energie wie herkömmliche Fahrzeuge. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, woher der Strom kommt. Es wird aber Verbesserungen geben.

Erscheint es denkbar, dass die reine Elektromobilität nur als Brückentechnologie zwischen Verbrennungsmotor und Brennstoff zelle fungieren wird?

Es ist zwar noch recht spekulativ, aber ich denke, dass die Brennstoff zelle eine automobile Zukunft hat. Die Technologie existiert zwar bereits, aber die Tankinfrastruktur ist noch sehr teuer. Die Brennstoff – zelle wird kommen. Deshalb wird aber der Verbrennungsmotor nicht gänzlich verschwinden. Man wird die Antriebskonzepte vermehrt verbinden, wie es bei Plug-In-Hybriden schon der Fall ist.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.
Interview: Marian Kröll