Bitte aktivieren Sie JavaScript, damit die Website vollständig und korrekt angezeigt wird!
Tel: +43 (0)664 1945989 | Email: admin@career-competence.at

Big Data und Bewusstseinswandel

Active Sourcing betreiben
„Active Sourcing betreiben“
14. Juni 2018
Messeplanung: So überzeugt der Messeauftritt Interessenten
26. Juni 2018
Alle anzeigen

Big Data und Bewusstseinswandel

Big Data und Bewusstseinswandel

© Nmedia – Fotolia.com

ARZ-Geschäftsführer Bernd Geiger erläutert die Implikationen von Big Data und die mangelnde Sensibilität beim Datenschutz. Die Letztverantwortung liegt nämlich nicht beim Gesetzgeber, sondern bei jedem einzelnen Nutzer.

Langsam nimmt Big Data in verschiedenen Kontexten im Alltags- und Geschäftsleben konkrete Formen an. Inwiefern beschäftigt Sie dieses Thema und was steht uns in dieser Hinsicht in den kommenden Jahren noch bevor?

Big Data ist ein weiter Begriff, der derzeit in aller Munde ist. Banken haben schon seit langer Zeit mit großen Datenmengen zu tun. In den 90ern hieß das Schlagwort „Business Intelligence Reporting“, bei dem große Datenmengen analysiert wurden. Bei Big Data geht es um fast unüberschaubare Datenmengen, aus denen Prognosen erstellt werden. Google zeigt uns das schon vor. Das Paradebeispiel ist, dass Google vorhersagen kann, wo eine Grippewelle ausbricht. Aufgrund des Suchverhaltens ist es nicht ausgeschlossen, dass der Konzern selbst Wahlergebnisse vorhersehen kann. Im Bankbereich ermöglich der richtige Einsatz von Big Data, den Kunden optimal und persönlich zu betreuen. Der Kunde steht dabei im Zentrum der Betrachtung. Die Bank hat mit Analytics die Möglichkeit, vom reinen Dienstleister zum Partner und täglicher Begleiter ihrer Kunden in finanziellen Angelegenheiten zu werden – zum Beispiel kann sie ihn bei Kaufentscheidungen unterstützen. Nichts anderes macht ja auch beispielsweise Amazon. Banken dürfen Kundendaten grundsätzlich aber nur zur Abwicklung des jeweils betroffenen Geschäfts und nicht zu umfassenden Analysen verwenden. Da sind den Banken rechtlich, ganz im Gegensatz zu Fintechs, die Hände gebunden.

Wird sich daran mit Inkrafttreten der EU-Richtlinie „PSD2“, die den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr fördern soll, etwas ändern?

Mit PSD2 wird sich meiner Meinung nach massiv etwas ändern, denn dann haben auch weitere Firmen, etwa zertifizierte ZVDienstleister, viele Daten, die bisher Banken vorbehalten waren. Die werden dann, vielleicht sogar leichter, weil regulativ nicht so eingeschränkt, damit etwas machen können. Aber die Banken haben dadurch auch die Möglichkeit, ihr Angebot an den Kunden weiter zu optimieren und dessen Wünsche und Bedürfnisse ins Zentrum zu stellen. Gleichzeitig kann das der Ausgangspunkt für die Banken sein, zukünftig ihr Produktangebot zu erweitern und als Vernetzungs-Plattform für Personen und (lokale) Unternehmen aufzutreten.

 

„ Die meisten Menschen kümmern sich nicht um Datenschutz. Hauptsache, die installierte App ist gratis und hat eine bunte Oberfläche.“

Bernd Geiger
Allgemeines Rechenzentrum

 

Obwohl uns der Datenschutz alle betrifft, weil jeder heutzutage Daten erzeugt und Spuren hinterlässt, ist das Thema im öffentlichen Bewusstsein nicht sehr prominent. Warum?

Das Thema Datenschutz ist sehr ambivalent. Die meisten Menschen kümmern sich nicht darum. Hauptsache, die installierte App ist gratis und hat eine bunte Oberfläche. Niemand interessiert sich dafür, ob eine App Kontakte ausliest oder Zugriff auf Kamera und Fotos hat. Das ist alles sekundär, die Leute wollen einen Nutzen, für den sie nicht bezahlen müssen. Derjenige, der das Produkt zur Verfügung stellt, kann nur an den Daten der User verdienen. Es bedarf eines Umdenkens bei den Menschen, die sagen: Ich habe nichts zu verstecken. Das mag vielleicht für den Moment gelten, ist aber ein Trugschluss. Niemand weiß, was in einigen Jahren mit diesen Daten – oder mit politischen Statements in sozialen Netzwerken – gemacht wird. Gesundheitsdaten sind auch ein wichtiges Thema, mit dem zu sorglos umgegangen wird. Einschlägige Apps sprießen aus dem Boden, die Leute geben dafür ihre Daten preis. Und irgendwann gibt es dann ein Bonus-Malus- System bei Versicherungen, bei dem Unsportliche höhere Prämien bezahlen werden müssen. Datenschutz sollte uns viel mehr angehen. Der Gesetzgeber macht zwar immer mehr, die Letztverantwortung liegt aber beim Nutzer.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist die größte Schwachstelle bei Cyberkriminalität nicht die Technologie, sondern der Faktor Mensch. Wie kann man Unternehmen dafür sensibilisieren?

Das Zauberwort heißt Awareness- Schulungen, denen Mitarbeitern in bestimmten Intervallen unterzogen werden. Ich traue mich zu sagen, dass kein Mitarbeiter beispielsweise einen gefundenen Datenstick an einen hausinternen Computer anstecken würde. Die Mitarbeiter sind sensibilisiert. Außerdem bekommt niemand ohne Besucherausweis bei uns Zutritt zum Gebäude. „Augen auf, Ohren auf “ ist abseits aller technischer Maßnahmen das Wichtigste. Absolute Sicherheit ist aber heutzutage eine Illusion. Die zukünftigen Kriege werden sich im Internet abspielen.

Die Digitalisierung von Wahlen erscheint nicht nur vor diesem Hintergrund problematisch. Selbst eingefleischte IT-Spezialisten sprechen sich für die Papierwahl aus.

Wahlcomputer halte ich für eine Katastrophe. Mit der Papierwahl können alle Stimmen archiviert werden und bei Bedarf nachgezählt werden. Das geht am Wahlcomputer nicht. Man kann nicht feststellen, ob das Programm zum Zeitpunkt der Wahl manipuliert wurde. Ich sehe das also sehr skeptisch.

Wie schützen Sie die Daten Ihrer Kunden im Unternehmen?

Wie gesagt, mit Awareness-Schulungen, Firewalls, Intrusion Detection Systemen, Spam-Filtern auf mehreren Ebenen. Wenn am Ende des Tages dennoch was passiert, dann müssen die vordefinierten Prozesse greifen und die Mitarbeiter richtig reagieren.

Sie produzieren Bankensoftware. Sind durch die dynamischen Fintechs die kundenseitigen Anforderungen an die Software gestiegen?

Ja, Anforderungen steigen. Wir sind aber in der Lage, ein tolles Electronic-Banking- Produkt anzubieten. Fintechs haben den großen Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Banken wendiger sind und nicht so viele Kosten mitschleppen müssen. Es braucht nur eine Idee, etwas Zeit und einen Programmierer. Fintechs pfropfen ihre Lösungen auf das Basispaket der Banken auf. Vor allem im Bereich der alternativen Zahlungsmittel und der Darstellung von Konten- und Ansparplänen. Die ganz großen Fintechs sind aber im angelsächsischen und chinesischen Bereich tätig. Eine Bank muss vom Zahlungsverkehr bis zur Vermögensberatung alles abdecken, ein Fintech spezialisiert sich auf ein Problem und baut eine gute Lösung dafür. Deshalb ist es gut möglich, dass man sich in der Zukunft vermehrt an Fintechs beteiligt und auf seine eigenen Lösungen aufpfropft.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.
Interview: Marian Kröll