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© Marco2811 – Fotolia.com

Industriellenvereinigung Tirol. Präsident Christoph Swarovski bricht eine Lanze für die duale Ausbildung und betont unabhängig vom Qualifikationsniveau die unbedingte Notwendigkeit des lebenslangen Lernens. Es gelte in Zukunft, MINT-Fächer für alle jungen Menschen faszinierend zu machen.

„Mit dem Abschluss einer Ausbildung, und dazu zählt ein Studium gleichermaßen wie eine Lehre, ist nur eine Etappe geschafft.“ Christoph Swarovski, Präsident der Industriellenvereinigung Tirol

„Karriere mit Lehre“ trommeln Wirtschaft, Interessenvertretungen und Politik seit Jahren. Dennoch ist die Situation in vielen Ausbildungsbetrieben nicht einfacher geworden. Hat die Lehre, wie oft behauptet wird, tatsächlich „nur“ ein Imageproblem?

Christoph Swarovski: Es ist nicht wirklich ein Imageproblem, das die Lehre hat. Es handelt sich eher um ein Informationsdefizit darüber, welche Chancen die Lehre bieten kann. Wenn es besser gelingt, den Zusammenhang zwischen Ausbildung und Zukunftsaussichten am Arbeitsmarkt transparent zu machen, würden junge Menschen vermutlich häufig ihren Bildungsweg anders wählen. Insbesondere die Industrie kann jungen Menschen mit Lehre ausgesprochen interessante Möglichkeiten einer attraktiven beruflichen Karriere bieten. Sicherlich muss bereits in der Schule informiert werden. Allerdings sollten sich auch Eltern gut überlegen, ob ihre Kinder nicht doch etwas Handfestes machen sollten oder ein Orchideenstudium mit einem akademischen Grad, aber ohne große Möglichkeiten anstreben.

Warum genießt die Lehre nicht jenen gesellschaftlichen Stellenwert, den sie verdient?

Das hat mehrere Gründe. Eine Lehre wird hauptsächlich in privaten Betrieben gemacht und das birgt schon mehr Risiko als eine Laufbahn im öffentlichen Bereich. Risiko steht dem weit verbreiteten Sicherheitsdenken entgegen. Außerdem verbinden die Menschen Lehre häufig immer noch mit harter, körperlicher Arbeit. Die Realität ist eine andere und die müssen wir den jungen Menschen in ihren Kommunikationsformen näherbringen.

Ist unser Bildungssystem für Lehrabsolventen, die sich im Hochschulbereich weiterbilden wollen, durchlässig genug?

Eine Lehre ist weder eine Einbahnstraße noch eine Sackgasse. Ganz im Gegenteil! Erstens werden im Rahmen der Lehre selbstverständlich auch theoretische Grundlagen vermittelt und außerdem stehen jedem nach einer abgeschlossenen Lehre eine Vielzahl an Möglichkeiten für eine theoretische Weiterbildung offen. Von der dualen Berufsausbildung über die Fachschule, HTL, Fachhochschule und Universität – bzw. nach einer Lehre mit zusätzlicher Matura – gibt es viele Wege, die zum beruflichen Erfolg führen können. Denken wir nur an die Mechatronik, die in Tirol breitgefächert von der Lehre bis hin zum Doktor der Technik angeboten wird.

Macht es sich für die Unternehmen bezahlt, in nennenswertem Umfang in die Lehre zu investieren?

Die meisten Tiroler Industriebetriebe bilden ihre Leute selbst aus, weil die Anforderungen so spezifisch sind, dass da nicht einfach Leute von außen übernommen werden können. In der Tiroler Industrie bilden knapp hundert Lehrbetriebe immerhin mehr als 1.200 Lehrlinge aus und es macht sich für diese Unternehmen bezahlt.

Gerade in der Industrie sind die Digitalisierung und die laufende vierte industrielle Revolution – Industrie 4.0 – ein sehr wichtiges Thema. Was bedeutet das für den Industriearbeitsplatz der Zukunft?

Dort, wo bereits heute Maschinen stehen an, denen Menschen arbeiten, wird es auch künftig – auch im Zeitalter der Digitalisierung – Arbeitsplätze geben. Nur eines ist sicher, das Profil dieser Arbeitsplätze wird anders aussehen. Die Arbeitsplätze werden noch anspruchsvoller werden. Es ist ein zentraler Auftrag an unser Bildungssystem, mit guter Grundausbildung die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Die Anforderungen in der Arbeitswelt steigen laufend, Qualifikation ist Trumpf. Kann das duale Ausbildungssystem den weiter steigenden Anforderungen in Zukunft noch gerecht werden, die Lehrlingsausbildung mit dem tiefgreifenden und rapiden Wandel Schritt halten?

Die duale Ausbildung verbindet Praxis mit Schule und das wird auch in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Ich bin überzeugt, dass die duale Ausbildung genau deshalb große Zukunft hat. Natürlich muss auch diese Ausbildungsform laufend angepasst werden und das passiert zum Teil auch. Was aber auch klar ist: Mit dem Abschluss einer Ausbildung, und dazu zählt ein Studium gleichermaßen wie eine Lehre, ist nur eine Etappe geschafft. Lebenslanges Lernen ist eine Notwendigkeit für alle Bereiche der Wirtschaft und auf allen Qualifikationsniveaus.

Was könnte man machen, um MINT-Fächer für junge Menschen attraktiver zu machen?

Industrie-Lehrerpreis für MINT-Fächer, berufsreise. at, Lange Nacht der Forschung, Tag der Lehre, MINT-Gütesiegel, das sind nur einige Initiativen, welche die IV-Tirol selbst gesetzt hat oder an denen sie beteiligt ist. Jetzt muss es noch mehr gelingen, MINT-Fächer faszinierend zu machen. Da muss im Kindergarten begonnen werden und Mädchen sind eine spezielle Zielgruppe. Die Arbeit geht uns da nicht aus.

Die Wirtschaft klagt über den Fachkräftemangel. Wie ist die Situation in der Tiroler Industrie?

Auch die Tiroler Industrie sucht Fachkräfte auf allen Ausbildungsniveaus. Große Betriebe mit ihren betrieblichen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten tun sich oft etwas leichter als KMUs. Im Rahmen der Entwicklung der Standortstrategie hat die IV mit 35 Betrieben Tiefeninterviews geführt. Und die zeigen, dass insgesamt das Angebot dünner wird und IT Fachkräfte gesucht sind wie noch nie.

Frauen sind durchschnittlich besser bzw. höher ausgebildet als Männer. Versucht die Industrie als traditionell männlich dominierter Wirtschaftszweig, gezielt Frauen anzusprechen?

Die Geschlechterdiskussion halte ich für überholt. Es werden künftig jene erfolgreich sein, denen es gelingt, die Besten – unabhängig von Geschlecht, Religion oder Hautfarbe – für sich zu gewinnen. Ein wesentliches Problem ist allerdings die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei der ganztägigen und ganzjährigen Kinderbetreuung müssen wir rasch einen bedeutenden Schritt weiterkommen. Es geht einmal um Chancengleichheit, aber auch darum, alle Potentiale auszuschöpfen.

Wie ist es um die Job- und Verdienstmöglichkeiten in der Industrie bestellt, angefangen bei der Lehre bis zu Facharbeiterpositionen?

Die Tiroler Industrie zahlt oft über dem Kollektivvertrag und sehr leistungsorientiert. Das führt oft dazu, dass eine technische Fachkraft mit entsprechender Verantwortung das gleiche Einkommen hat wie die akademisch gebildeten Kollegen. In der Produktionswirtschaft sind Erfolg und Leistung gut messbar und daran orientiert sich auch die Bezahlung.

Was würden Sie jungen Menschen im Hinblick auf ihre Zukunfts- bzw. Karriereplanung raten?

Ich sehe in der Tiroler Industrie exzellente Berufs und Karrierechancen. Unsere heimischen Unternehmen wollen vorzugsweise in ihrer Heimat wachsen. Schon jetzt bieten sie mehr als 40.000 Menschen Arbeit und Zukunft. Für junge und leistungswillige Menschen ist das ein Umfeld, in dem es sich lohnt, sich beruflich zu engagieren. Ganz egal auf welcher Ebene oder in welchem Bereich: Industrie steht für Wachstum und Stabilität. Es ist gut, möglichst viele davon mitprofitieren zu lassen und ihnen einen Arbeitsplatz in der Industrie anzubieten.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.
Interview: Marian Kröll

Florian Brunner
Die CAREER & Competence ist West-Österreichs größte Job- und Karrieremesse und bietet Studierenden und AbsolventInnen des Universitätsstandorts Tirol jährlich die Möglichkeit, mit Top Unternehmen in Kontakt zu treten.