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Apps & Co aus Tirol

© Rawpixel.com – Fotolia.com

Die Innsbrucker Firma Sengaro bietet seit zehn Jahren mobile Lösungen an. Gegründet wurde sie damals von drei Informatikstudenten, die eine App entwickeln wollten, um universelle Infos über eine Karte abzurufen und per Handykamera etwa Sehenswürdigkeiten oder Berggipfel zu bestimmen. Als Produkt war diese App damals noch nicht wirklich gefragt, dafür die Programmierskills der Gründer. Das Sengaro-Team besteht heute aus zwölf Mitarbeitern, ihre Kunden sind im gesamten deutschsprachigen Raum zu finden. Programmierwillige Jugendliche oder Studierende, die sich für ein Praktikum interessieren, sind willkommen.

Wie darf man sich den Alltag eines Programmierers vorstellen und welche Aufgaben müssen sie bewältigen?

Florian Fodermeyer: Unser Team besteht unter anderem aus fünf Android- und fünf iPhone-Entwicklern, da diese beiden Programmiersprachen sehr unterschiedlich sind. Wir sind auf native mobile Anwendungen spezialisiert und erarbeiten in kleinen Teams gemeinsam mit Produktmanagern unserer Kunden ein Design- und Funktionskonzept. Erfahrungsgemäß dauert die Entwicklung zwei bis drei Monate.  Teamarbeit ist dabei das A und O. Das typische Bild des Programmierers entspricht also nicht immer dem einsamen Tüftlerklischee. (lacht) Genaue Konzeptabsprachen mit Skizzen oder Schaubildern im Corporate Design sind vor allem am Anfang unabdingbar. Wir beraten auch sehr viel. Dieser Austausch passiert täglich, damit Kunden immer wieder intervenieren können.  Dabei ist allen Beteiligten das Ziel klar, aber der Weg dorthin wird flexibel und laufend angepasst, auch um die Entwicklung neuer Features zu berücksichtigen.  Als Programmierer hat man dann aber auch konzentrierte Arbeitsphasen, wo man allein arbeitet.

Wie ist die Marktlage in Tirol?

Hierzulande gibt es zwar Mitbewerber, aber hie und da helfen wir uns gegenseitig aus. Im Grunde konkurrieren wir ja weltweit. Die Preise in Österreich und Deutschland sind ähnlich, in Ländern wie Polen, Ukraine oder Indien wird‘s dann billiger. Unsere Kunden schätzen aber die geografische und sprachliche Nähe. Manche setzen bewusst auf die Kommunikation mit deutschen Muttersprachlern, um Missverständnisse zu vermeiden.

Boomt die Nachfrage nach Applikationen nach wie vor?

Die letzten fünf bis sieben Jahre haben sie geboomt, da wollte jede Firma ihre eigene App haben, mittlerweile wird es anders. Im App-Store von Apple sind beispielsweise 1,8 Millionen Apps verfügbar, und die Firmen haben mittlerweile ein Problem der Verbreitung. Für das Marketing müssen sie sehr viel Geld in die Hand nehmen, wobei die meisten User ohnehin nur an die sieben bis zehn Apps im Monat benutzen. Davon gehören vier zu Facebook. Und die Aufmerksamkeit, die man anderen Anwendungen schenken könnte, wird geringer. Der App-Markt ist meiner Meinung nach gerade dabei, die Spitze zu überschreiten. Wir müssen uns also auf neue Sachen umstellen.

Was kommt als Nächstes?

Wir gehen in die Breite: Neben reinen Produkten für Android und iPhone bauen wir Apps für Autos, Uhren, Fernseher und Augmented Reality. Oder auch sogenannte Chatbots, also kleine Programme im Chat-Stil für Nachrichtendienste oder Service-Infos, beispielsweise für eine Mobilitäts-App, die von Ortsansässigen anders genutzt wird als von Touristen, und demenstprechend anders gestaltet werden muss. Da sind schlanke und schnelle Lösungen sinnvoller, ohne dass sich User in jeder Stadt neue Apps runterladen müssen. Wir müssen uns also mit dem Markt mitentwickeln, und immer wieder auf neue Bedürfnisse reagieren. Und da ist vieles denkbar.

Welche ist dabei die größte Herausforderung?

Der Technologiemarkt ist wahnsinnig schnell, und die größte Herausforderung ist abzuschätzen, was in einem Jahr gefragt sein wird.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?

Als Dienstleister haben wir ständig mit neuen Kunden zu tun und dürfen uns immer wieder auf neue Anforderungen einlassen. Das macht uns allen großen Spaß.

Wie wird man eigentlich App-Entwickler? Ist dafür ein Informatikstudium unbedingt zu absolvieren?

Nein, man kann sich die Programmiersprachen auch selber beibringen. Ein Informatikstudium ist dabei als Background sicher hilfreich, es kann aber genau so gut ein Archäologiestudium oder eine Bäckerlehre sein. Im Idealfall nimmt sich ein Elf- oder Dreizehnjähriger einen Computer und fängt an zu programmieren. Und Punkt. Je mehr Spaß ihm oder ihr das macht, umso besser wird er oder sie dabei werden. Es ist im Grunde wie das Erlernen einer neuen Sprache. Das Informatikstudium ist sicher nicht schädlich, aber gerade in diesem Bereich der Programmierung gibt es weltweit solche Engpässe, dass ich als sehr guter Programmierer schon morgen überall arbeiten könnte. Junge Entwickler, die mit einer Idee den Markt erobern und Millionäre werden, sind zwar selten, aber es gibt sie. Nach der ersten Smartphone-Welle wird diese Entwicklung auch weiterhin bestehen, die Digitalisierung fängt gerade richtig an. Wir kommen jetzt in eine Phase, wo es technologisch noch interessanter wird, nämlich im Bereich der künstlichen Intelligenz, wo sich die Software selber optimiert und ständig dazulernt, was etwa Chatbots verbessern würde. Oder ein anderes Beispiel: Eine Börsensoftware, die so programmiert ist, Aktien automatisch zu kaufen oder zu verkaufen, sobald ein bestimmter Wert erreicht ist, führt Befehle aufgrund eingegebener Daten aus. Wird eine künstliche Intelligenz mit eingewoben, kann diese aus der Vergangeheit lernen. Je mehr man sie mit Infos zu Einbrüchen, Krisen und Aktienbewegungen der letzten zehn Jahre füttert, umso eher wird die Software irgendwann bessere Entscheidungen als ein Mensch treffen, weil sie die gesamten Daten miteinbezieht. Dieser Bereich ist wahnsinnig spannend und ein absoluter Wachstumsmarkt. Wer sich heute also mit Programmieren und künstlicher Intelligenz befasst, hat also eine Chance auf Jobgarantie für viele Jahre.

Welche Voraussetzungen sollten angehende Programmierer erfüllen?

Wie bereits gesagt, ist ein Informatikstudium nicht zwingend notwendig, aber es zeugt von Interesse an der Materie. Eine gute Mischung aus logischem und analytischem Denkvermögen und hoher Präzision ist immer erwünscht. Die Maschine macht ja genau, was ich ihr sage. Allerdings kann ich Befehle in tausenden Varianten eingeben, also ist irgendwo auch Kreativität gefordert. Die Arbeit nach einem Schema F ist bei der App-Entwicklung nicht möglich, da jedes Produkt individuell gestaltet wird.

Wie lernen Interessenten eine Programmiersprache?

Für die App-Programmierung gehört Java zu den Basics der Android-Produkte, während Swift bei iPhone Apps verwendet wird. Es gibt viele Kurse im Netz, wo man sich sehr gut in die Programmiersprachen einarbeiten kann, wie etwa bei codecademy. Ich würde solche Kurse immer online machen, weil hier die Anwendungen anhand praktischer Beispiele direkt erlernt werden.

Quelle:
ECHO Zeitschriften und Verlags Ges.m.b.H.
Interview: Marianna Kastlunger

Florian Brunner
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